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- Mit dem ASB-Wünschewagen auf den Weihnachtsmarkt in Lübeck
Gerda ist 63 Jahre alt. Der Lungenkrebs hat ihr in den letzten Monaten viel Kraft genommen. Nicht Luftnot, sondern anhaltende Schmerzen und zunehmende Schwäche führten dazu, dass sie vor Kurzem in ein Pflegeheim nach Travenhorst zog.
An diesem Tag sollte ihre Erkrankung in den Hintergrund rücken. Es ging noch einmal auf den Lübecker Weihnachtsmarkt – an die Breite Straße, zu ihrem alten Arbeitsplatz: dem Mutzenstand.
Gerda war dort viele Jahre Verkäuferin. Doch es war weit mehr als ein Job. Es war ein Ort der Begegnung, der Gemeinschaft. Und genau diese Gemeinschaft wartete an diesem Tag auf sie.
Am frühen Nachmittag holten wir sie im Pflegeheim ab. Gerda saß im Rollstuhl, warm gekleidet, die Jacke geschlossen, die Handtasche mit Portemonnaie fest in der Hand. Sie wirkte ruhig und sehr organisiert – und zugleich angespannt.
„Wie lange möchtest du bleiben? Gibt es noch Orte, die du besuchen möchtest?“, fragten wir.
„Nicht so lang“, antwortete sie. „So viel Geld kann ich nicht ausgeben.“
Wir erklärten ihr, dass sie eingeladen ist – vom ASB Wünschewagen. Viele Menschen unterstützen uns mit Spenden, damit Fahrten wie diese als letzter Wunsch in die Tat umgesetzt werden können – ganz ohne finanzielle Sorgen. Gerda verschlug die Sprache, sie war sichtlich gerührt.
Also machten wir uns gemeinsam mit ihrer Schwester auf den Weg. Während der Fahrt unterhielten sich die beiden durchgehend. Die Anspannung löste sich allmählich.
Am Weihnachtsmarkt angekommen, warteten sie bereits: ehemalige Kolleginnen und Kollegen vom Mutzenstand – freudestrahlend, herzlich und mit frischen Portionen Mutzen in den Händen für Gerda und das Wünschewagen-Team.
Was folgte, war ein herzliches Wiedersehen. Nach und nach besuchten wir weitere bekannte Verkaufsstände. Und diejenigen, die nicht zum Treffpunkt kommen konnten, suchten wir gemeinsam mit Gerda im Rollstuhl auf.
Langos, Krakauer vom Grill, ein Kaffee – Gerda hatte einen genauen Plan, wo sie was bekommt. Der Lübecker Weihnachtsmarkt war ihr vertraut. Sie wusste genau, wo es die besten Sachen für sie gab.
Als wir uns am Abend auf den Rückweg machten, setzte der Regen wieder ein – wie schon bei der Hinfahrt. Fast so, als hätte das Wetter für Gerdas letzten Wunsch eine Pause eingelegt.
Wir fuhren noch einen kleinen Umweg mit dem Wünschewagen: durch die Königsstraße, über die historische Drehbrücke und am Holstentor. So konnten Gerda und ihre Schwester noch einmal die strahlenden Lichter der Weihnachtsstadt des Nordens genießen.
Am Pflegeheim angekommen, wartete das Team bereits. Gerda wurde mit offenen Armen empfangen.